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Nachwuchsproblem: Wo sind die Jungen Grünen?!

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Nachwuchsproblem: Wo sind die Jungen Grünen?!

Als ich in die Politik einsteigen wollte, stellte ich fest, dass jene Partei die mir am meisten zusagte, über gar keine eigene Jungpartei verfügte. Auf meine Nachfrage auf dem Sekretariat der Grünen Schweiz, wieso denn DIE Zukunftspartei keine Jungpartei habe, lud mich Hubert Zurkinden, damaliger Generalsekretär der Grünen Schweiz, aufs Sekretariat ein. Ihm war bewusst, dass die Partei in vielen Kantonen ein Nachwuchsproblem hatte. Auf dem „Seki“ traf ich Christian Sager, einen anderen jungen Grünen aus Luzern. Wir trafen uns mehrmals, schrieben ein Konzept für eine Website und verfassten eine Art politisches Programm. Über diese Planungsphase hinaus kamen wir allerdings nicht. Zeitgleich engagierte ich mich bei den Juso. Dort initiierte ich eine Kleberkampagne gegen Kinderarbeit. Eine Aktionsform, welche später in leichter Abwandlung bei den Jungen Grünen zum regelrechten Kassenschlager werden sollte. Eine wichtige Erfahrung war auch das Engagement bei Greenpeace, wo ich zusammen mit einigen späteren Jungen Grünen lernte, wie man beispielsweise mit guten Bildern Botschaften über die Medien transportieren kann.

Kleberkampagnen wurden bei den Jungen Grünen regelrecht zum Kassenschlager.

Im Jahr 2002 erfuhr ich vom Sekretariat der Grünen Schweiz, dass für die Zürcher Kantonsratswahlen eine Junge-Grüne-Liste aufgestellt werden soll. Ich meldete mich umgehend, traf mich mit den Kandidierenden und setzte mich dafür ein, dass es nicht nur bei dieser einmaligen Jungen-Grünen-Liste bleiben sollte, sondern, dass es mit den Jungen Grünen weitergeht. Entscheidend für die erfolgreiche Gründung der Jungpartei war, dass stets eine Gruppe aktiv blieb, die motiviert war, den Laden in Schwung zu halten. Einige Leute aus dieser Kerngruppe sind heute noch aktiv, beispielsweise Matthias Probst im Zürcher Gemeinderat oder Vincent Rossi im Lausanner Gemeinderat.

Dank dem Aufkommen der Gratis-Zeitungen waren unsere Bilder sehr gefragt.

Das eigentliche Erfolgsrezept der Jungen Grünen waren aber die medienwirksamen Aktionen. Auch dank dem Aufkommen der Gratis-Zeitungen, waren unsere Bilder gefragt. Das ging so weit, dass eine Redaktorin von „20 Minuten“ anfragte, ob wir nicht etwas protestieren könnten, als der Feinstaubgrenzwert überschritten wurde. Da trommelten wir rasch ein paar Leute zusammen und protestierten mit Bildern und Mundschutzmasken. Und am nächsten Tag wurde das Bild in „20 Minuten“ publiziert. Damals boten die anderen Jungparteien, inklusive den Juso, noch wenig in dieser Hinsicht. Das war unsere Chance.

Die Resonanz auf die Aktion mit den Stopp-Offroader-Klebern („Ich saufe für drei“) war überwältigend.

Auch die Offroader-Initiative war natürlich wichtig für den Start. Die Resonanz auf die Aktion mit den Stopp-Offroader-Klebern („Ich saufe für drei“) war überwältigend. Wir wurden mit Bestellungen überhäuft. Über 100 000 dieser Kleber wurden bestellt. Auch medial war das Interesse gross. So machte beispielsweise der Kassensturz einen Beitrag. Die Mehrheit der Zuschauer unterstützte unser Anliegen. Die Volksinitiative war für uns der logische nächste Schritt. Damals waren die Grünen nicht initiativfähig und glaubten nicht, dass es uns gelingen würde, die nötigen Unterschriften zu sammeln. Ein Spaziergang war es nicht. Aber die Unterschriftensammlung war auch ein Anlass, der half, die Jungen Grünen weiter zu verankern. Und wenn ich jetzt sehe, wie viele Junge Grüne sich heute engagieren, wie viele bei den Grünen Verantwortung übernommen haben, dann ist klar: Das Nachwuchsproblem ist gelöst.

Bastien Girod
Bastien Girod besuchte das Gymnasium in Biel und studierte Umweltnaturwissenschaften an der ETH, wo er anschliessend doktorierte. Neben seinem Nationalratsmandat forscht er für den Klimaschutz an der ETH am Lehrstuhl für Nachhaltigkeit und Technologie. Seine politische Karriere begann als engagierter Aktivist bei Greenpeace und als Gründungsmitglied der Jungen Grünen. Neben Politik und Forschung kocht er gerne und ist Vater von zwei kleinen Mädchen.

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